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New Philadelphia Book Publisher Highlights Local Talent
Book and Publishing News from Publishers Newswire(tm)

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NEW YORK, N.Y. -- Nathan Yungerberg, an accomplished model scout and professional child photographer is launching a nation-wide casting call to find the cover model for his highly anticipated book release, 'The Model Child: A Parents Guide to the Child Modeling Industry' (ISBN: 978-0-9817018-0-6).


Book: Gockel, Hinkel und Gackeleia

C >> Clemens Brentano >> Gockel, Hinkel und Gackeleia

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"Ach, was ist das, es ist nicht möglich, woher alle diese Wunder?"
rief Gockel aus; da reichte Gackeleia ihm ihre schöne Hand und sah
ihm freundlich lächelnd in die Augen, und Gockel schrie mit lautem
Jubel aus: "ach der Ring, der köstliche Ring Salomonis ist wieder da,
den du durch die Puppe verloren!" Da sagte aber Gackeleia gleich
wieder:

"Keine Puppe, es ist nur Eine schöne Kunstfigur",

und Gockel sagte: "meinetwegen, ich will dir die Ruthe nicht mehr
geben, du bist auch zu groß dazu, und Alles ist ja wieder gut."
"Aber wie hast du nur Alles angefangen?" sagte Frau Hinkel, welche
immer um die schöne, prächtige Jungfrau herumgegangen war, sie zu
betrachten und zu küßen und zu drücken, "um Gotteswillen,
Herz-Wunder-Gackeleia, erzähle!" "Ja, erzähle", rief Gockel und
drückte sie herzlich an seine Brust. Gackeleia aber erwiederte:
"lobet mich nicht zu sehr, geliebter Vater, denn all unser neues
Glück haben wir allein Euch selbst zu verdanken." "Mir?" fragte
Gockel, "das müßte seltsam zugehen; ach ich habe ja nichts thun
können, als vor den Häusern nach dir suchend herumbetteln." Da sagte
Gackeleia: "schon gut, Ihr sollt Alles hören; folgt mir nur an einen
andern Ort, wir wollen das wieder hergestellte Stammschloß unsrer
lieben Vorfahren einmal ein wenig durchmustern, wir werden gewiß ein
Plätzchen finden, wo es uns besser gefällt, als in dem alten
Hühnerstall, in dem wir ohnedieß dem Federvieh Platz machen wollen,
das gleich wieder hinein muß." Da drehte Gackeleia den Ring und
sprach:

"Salomon, du weiser König,
Dem die Geister unterthänig,
Fülle gleich den Hühnerstall,
Lass' die bunten Hühner all'
Gackeln, scharren, glucken, brüten,
Und vom hohen Hahn behüten;
Alle soll er übersehen,
Stolz mit Spornen einhergehen,
Kamm und Sichelschweif hoch tragen,
Streitbar mit den Flügeln schlagen;
Krähen wie ein Hoftrompeter,
Daß bei seinem Anblick jeder
Ganz mit Wahrheit sagen kann:
"Das ist recht ein Rittersmann."
Bringe uns auch schöne Pfauen,
Die bei ihren grauen Frauen
Gold'ne Augenräder schlagen,
Abends nach der Sonne klagen.
Gieb uns dann auch wälsche Hahnen,
Zornig schwarze Indianen,
Solch' hoffärtige Gesellen,
Denen roth die Hälse schwellen,
Die sich kollernd neidisch blähen,
Wenn sie rothe Farben sehen,
Aufgespreitzt mit Hofmanieren
Um die Hennen her turniren.
Schenk' uns Enten bunt und prächtig,
Weiße Gänse, die bedächtig
Nach dem Wolkenhimmel sehn
Und auf einem Beine stehn,
Oder auf der Wiese gackeln,
Bis sie in das Wasser wackeln.
Lasse auch schneeweiße Schwäne,
Rein, wie blanke Silberkähne,
Ernst und klar mit edlem Schweigen
Schwimmen in den Spiegelteichen.
Auf dem Dache lass' sich drehen
Tauben, schimmernd anzusehen,
Um den Hals mit gold'nen Strahlen,
Schöner, als man sie kann malen.
Alles sey recht auserlesen,
Wie's im Paradies gewesen.
Ringlein, Ringlein dreh' dich um,
Mach's recht schön ich bitt' dich drum."

Kaum hatte Gackeleia dieses gesagt, als aus dem Hühnerstalle, den sie
verlassen hatten, ihnen eine Schaar der buntesten Hühner, Pfauen,
Puter, Enten, Gänse und Schwäne nachströmte, und auf dem Dache Alles
von Tauben wimmelte. Gockel und Hinkel hatten die größte Freude an
dem herrlichen Federgeviehzel und folgten, nachdem sie Alles einzeln
bewundert hatten, der Gackeleia in das Schloß. Freudig und neugierig
betrachteten sie eine Reihe von Gemächern und Sälen, welche alle mit
dem prächtigsten alten Hausrath versehen waren, und traten endlich
oben auf einer Terrasse heraus, von welcher sie herab in den
Hühnerhof. links auf das Schloß und vor sich hin Gärten und Wald in
die Ferne bis nach Gelnhausen und Hanau sahen.

"Hier ist es gar schön", sagte Gackeleia, "seht wie die schönen
Tauben neben uns schweben, und der Pfau sieht auf der Spitze des
Thurmes der Sonne entgegen; hier will ich Euch Alles erzählen, wie
ich den Ring wieder erhalten habe, aber wir wollen auch etwas
frühstücken." Kaum hatte sie dieses gesagt, als ein alter Diener
einen großen Präsentirteller mit Früchten und kaltem Fleischwerk und
feinem Gebackenem und Wein und Milch über die Treppe heraufbrachte,
und als er Alles vor sie niedergesetzt hatte, nochmals fragte:
"sollen die drei Esel mit dem Käse und den Schinken bepackt werden!"
"Ja", sagte Gackeleia, "und daß nur Alles recht gut und ausgesucht
sey; ich werde hernach das Weitere selbst befehlen." Gockel und
Hinkel waren sehr begierig nach ihrer Erzählung und baten sie zu
beginnen. Da erzählte sie Folgendes:

"Lieber Vater, als meine Puppe--nein, meine schöne Kunstfigur--so
weit vor mir vorausgelaufen und eure Ruthe--nein, eure häßliche
Kunstfigur--so dicht hinter mir her war, zappelte ich mit Händen und
Füßen, von euerm Knie herunter auf die Beine zu kommen, um meinem
lieben Klandestinchen nachzueilen, welche bergab lief, wie sie noch
nie gelaufen war; da ließest du mich los und eiltest den Felsen hinab
der Mutter zu Hülfe, ich aber raffte mein Körbchen auf und rannte
über Hals und Kopf der Kunstfigur nach, die einen guten Vorsprung
hatte. Da wir aber in den dichten Wald kamen, hinderten sie öfter
Gras und Gesträuch im Lauf, und ich war ihr endlich so nah, daß ich
die Hand ausstreckte, sie zu ergreifen, aber in demselben Augenblick
entschlüpfte sie zwischen zwei Felsstücken in eine kleine Höhle.--Ich
war in der größten Betrübniß, ich konnte ihr nicht nach; ich kniete
vor der Oeffnung nieder und rief zu ihr hinein: "Klandestinchen,
Klandestinchen! wie handelst du so undankbar gegen mich, ich habe
dich so lieb, so lieb, daß ich lieber die schimpflichste Strafe über
mich ergehen ließ, als dich zu verlassen, und jetzt versteckst du
dich vor mir, als wenn ich deine ärgste Feindin wäre."

"Als ich diese Worte gesprochen hatte, fiel mir auch erst ein, wie
sehr weit ich von Euch, liebe Aeltern, fortgelaufen war; ich sah die
Sonne bereits sinken und war außer allem Weg und Steg. Weinend schrie
ich in den Wald hinein: "Vater Gockel, Mutter Hinkel!" aber Alles war
vergebens, nur das Echo antwortete mir. Dann fiel mir ein, daß jetzt
die Stunde sey, wo der alte Mann gesagt, daß die Puppe etwas müsse zu
knuppern haben; ich holte etwas Zuckerbrod aus meinem Körbchen und
legte es auf ein reines Blatt vor die kleine Höhle und füllte meinen
Fingerhut in einem nahen Quell und stellte ihn aufrecht in den
feuchten Sand gedrückt darneben, dann rief ich in das Höhlchen hinein:
"Klandestinchen, wenn's gefällig ist, es ist servirt."--Ich dachte,
der Alte hat von ihrem guten Appetit gesprochen, sie hat Bewegung
genug gehabt, es sollte ihr wohl schmecken, wenn sie merkt, daß
aufgetragen ist. Ich selbst hatte Hunger, und nahm ein Stück hartes
Brod aus meinem Bettelsack, tauchte es ins Wasser und aß in einiger
Entfernung, weil ich gehört hatte, daß sie sich nicht gern beim Essen
zusehen lasse.--Ach ich war so müd, so müd, Hände und Füße zuckten
mir, ich lag im Gras, der Schlaf krabbelte mir den Rücken herauf und
machte mir die Augendeckelchen zu, denn das Sandmännchen kam und
wollte mir Sand hinein streuen, und das wäre nicht gut gewesen, aber
ich raffte mich noch einmahl auf und wusch mich ein bischen am Bach,
weil ich so viel Staub und Schmutz im Gesicht und an Händen und Füßen
hatte, denn ich habe nie vergessen, was die Mutter mich gelehrt, man
soll nie ungewaschen und ungebetet zu Tische gehen, aufstehen und
schlafen gehen.--Ich setzte mich also ins weiche Moos, und war so müd,
so müd und wußte nicht, sollte ich mich rechts, sollte ich mich
links legen, und sagte alle meine Kindergebetchen durch einander her:

"Guten Abend, gute Nacht,
Von Sternen bedacht,
Vom Mond angelacht,
Von Engeln bewacht,
Von Blumen umbaut,
Von Rosen beschaut,
Von Lilien bethaut,
Den Veilchen vertraut;
Schlupf' unter die Deck'
Dich reck' und dich streck',
Schlaf' fromm und schlaf' still,
Wenns Herrgottchen will,
Früh Morgen ohn Sorgen
Das Schwälbchen dich weck'!"

Unter diesen Gebetchen kehrte ich mich nach einer Seite, zuckte noch
einige Male und schlief ein.

Da träumte mir, ich sehe Clandestinchen die schöne Kunstfigur aus der
Höhle kommen, sie verzehrte das Zuckerbrod, sie trank aus dem
Fingerhut, und kam nachher zu meinem Bettchen und sagte: "Herzkind,
Gackeleia, schlaf nur süß fort, denn nur im Schlaf kannst du mich
verstehen; sag, süß Lieb! darf ich wohl ein bischen zu dir kommen? o
nimm dein Püppchen in den Arm an dein lieb Herzchen, meine Füßchen
sind ganz wund vom vielen Laufen, auch ist mir gar nicht wohl, ich
muß mich verkältet haben, ach Kind nimm die Puppe zu dir"--da sagte
ich ganz erschrocken:

Darf nicht, darf nicht, denn ich schwur,
Keine Puppe, sondern nur
Eine schöne Kunstfigur,
Nach der Uhr und nach der Schnur
Und ein Mäuschen von Natur.

"Ach Gackeleia", sprach sie, "das bin ich alles, und noch mehr, ich
weiß kaum mehr, was ich bin, ich will dir ja Alles erzählen, nimm
mich doch, ich bin ja gewiß keine Puppe."--Hierauf schlupfte sie zu
mir und ich hielt sie schlummernd im Arm an meinem Herzen, wobei ich
sagte:

Zu Bett, zu Bett,
Die ein Püppchen hätt,
Die keines hätt',
Muß auch zu Bett!

Und da ich mein Schürzchen uns Beiden gegen den Nachtthau übers
Gesicht deckte, ward mir ganz weich ums Herz und ich wiegte das
Klandestinchen ein bischen, daß es schlafen sollte, und sprach:

Eia popeia popolen!
Unser Herr Gottchen mag uns nur holen,
Kommt er mit dem goldenen Lädchen,
Legt uns hinunter ins Gräbchen,
Ueber mich Kräuterlein,
Ueber dich Blümelein,
Bis wir beisammen im Himmelreich sein.

Da sagte die Figur: " Das ist alles gar schön, und man mag die Puppe
und die Kunstfigur nach der Uhr und nach der Schnur in einem goldenen
Lädchen immer ins Grab legen, nur das Mäuschen von Natur, muß ich
bitten, damit zu verschonen, denn es muß für Gatte und Familie, für
Volk und Vaterland noch lange leben; drum Gackeleia bitte ich dich um
Gotteswillen, mache mir das fatale Drathgürtelchen los, womit mich
der böse Alte unter die verschraubte Kunstfigur festgeschnürt hat,
ich habe solches Leibschneiden, ich hab' mich überlaufen, ich hab'
mich übergessen, es ist mir zum Sterben, geschwind, geschwind hilf
dem Mäuschen von Natur, denn ich bin keine Puppe, keine Kunstfigur,
ich bin die unglückliche Mäuse-Prinzessin Sissi von Mandelbiß, der
dein Vater einmal das Leben gerettet hat." Da sah ich gleich nach
und fand wirklich das schönste weiße Mäuschen von Natur mit einem
Drath zwischen kleine Räder befestigt, die an den Füßchen der Puppe
angebracht waren, ich machte die arme Prinzessin los, die mir freudig
dankte und sagte: "Schlaf fort Herz-Gackeleia, gleich komm ich wieder,
ich muß mich nothwendig ein bischen bewegen und durch das thauichte
Gras laufen, um mich zu waschen und zu erfrischen, gleich komme ich
wieder zu dir"--und husch war sie fort."

So weit hatte Gackeleia erzählt, da sah Gockel nach den beiden Mäusen,
die sich in ein Stück Kuchen eingefressen hatten und ruhig darin
schliefen, und sprach: "Es ist doch eine kuriose Theater-Prinzessin,
die Sissi von Mandelbiß; wo die überall herum kömmt, die kann auch
mehr als Brod essen! Aber erzähle weiter, wie ist sie nur mit der
Kunstfigur zusammengekommen?"

Da fuhr Gackeleia fort: "Als Sissi wieder kam, schlupfte sie mir
dicht ans Ohr, versteckte sich warm in meine Haarlocken und erzählte
mir alles ganz ausführlich, und ich war so neugierig, daß ich sie nie
unterbrach. Sie sagte: "dein Vater Gockel hat mich und meinen Gemahl
Prinz Pfiffi von Speckelfleck vor der Katze Schurrimurri gerettet und
uns wieder nach Haus befördert; der Mord der Gallina durch dieselbe
Katze und die Hinrichtung der Katze und der edle Tod Alektryos ward
uns durch Musterreiter unsers Volkes erzählet, wir wollten Gallina
und Alektryo ein Mausoleum auf dem Mauskirchhof setzen lassen, und da
ich mit Prinz Speckelfleck wegen unserer Rettung eine Wahlfahrt nach
dem Mausthurm bei Bingen gelobt hatte, gedachten wir damit eine
Kunstreise zu verbinden und uns mit den schönsten Mausoleen in
Kirchen und auf Kirchhöfen bekannt zu machen. Prinz Speckelfleck
meinte, wir müßten incognito wie gemeine Mäuse nur in geringen
Häusern einkehren;--ich folgte, aber nie thue ichs wieder, denn was
man da erwischen kann, ist nichts werth, und am Ende wird man noch
selbst erwischt.--So waren wir in Friedberg neben drei alten
schmutzigen Männern mit langen Bärten im Stroh eingekehrt. Pfiffi
schlupfte zur Thüre hinaus, mir etwas zu essen zu suchen, und ich war
so unbesonnen dem Geruch von gebranntem Speck in meiner Nähe nach zu
gehen, ach schon nagte ich ein bischen--klapp that es einen Schlag,
die Falle schloß sich zu, und ich war gefangen. Meine Verzweiflung
kannst du dir denken.--Der Schlag der Falle hatte die drei Alten auf
dem Stroh erweckt; sie liefen mit der Falle ans Fenster, der Tag
brach schon an. "Da haben wir, was wir brauchen", sagte der eine,
"eine schöne, große weiße Maus hat sich gefangen; die befestige ich
mit einem Drathgürtel unter der Kunstfigur, die wir in Nürnberg
gekauft haben; das Räderwerk ist zu schwach, die Puppe kann nicht
lang laufen, da kann die Maus als Vorspann dienen, damit sie von der
Stelle kömmt. Geschwind zünde ein Licht an, sagte er zu dem Andern,
ich will mich gleich an die Arbeit machen." Da schlug der Andere
Licht, und der Alte hatte mich bald mit einem Drath an die kleine
Puppe befestigt, die er aus seinem Schnappsack holte; dann zog er das
Uhrwerk in der Puppe auf und setzte sie an den Boden, und ich lief
von dem Saum des seidenen Puppenkleides bedeckt an der Erde in großer
Angst umher; da ich aber aus Begierde zu entfliehen, in allen Ecken
anstieß, ergriff er mich mit der Puppe und sagte mit einem
widerlichen Zorn zu mir: "ich muß andre Saiten mit dir aufspannen,
höre Madame weiße Maus, wenn du mir so toll herum rennst, lasse ich
dich hungern, daß du schwarz wirst, oder ich gebe dich der Katze, die
soll dich besser tanzen lehren."--Vor dieser Drohung hatte ich einen
solchen Respekt, daß ich mir vornahm, Alles zu thun, was der Alte nur
wollte. Er sprach aber noch allerlei wunderliche Worte Abracadabra
über ein Stückchen harten Kuchen, das er mich zu essen zwang, es muß
das ein Zauberwerk gewesen seyn; denn nun mußte ich Alles thun, was
er nur wollte, bald laufen, bald hüpfen, bald so, bald so, wie er
verlangte, und auf alle Namen, die er mir gab, hörte ich, wie ein gut
abgerichtetes Hündchen.--"Nun", sagte er zu den Andern, "reisen wir
nach Gelnhausen, ich zeige die Puppe der kleinen Gackeleia und
schwätze ihr leicht den Ring Gockels dafür ab; ich habe schon einen
ähnlichen nachmachen lassen, und haben wir den Ring, so haben wir für
nichts mehr zu sorgen."--Nach diesen Worten steckte er mich mit der
Puppe in seinen Gürtel, und sie zogen nach Gelnhausen. O ich war
froh, zu dir, Gackeleia, zu kommen, ich machte die artigsten Sprünge
vor dir, ich dachte, wenn du schlafen würdest, dir Alles zu sagen,
und durch die Großmuth deines Vaters nochmals gerettet zu werden;
--das Uebrige weißt du, liebste Herzgackeleia!--Jetzt aber werde ich
dich bald aufwecken, wir sind nicht weit von der Residenz meines
Herrn Vaters, Alles ist gewiß noch in großer Trauer um meinen Verlust,
du sollst die Freude sehen, wenn ich wieder komme. Ich muß dir nur
noch sagen, daß unsre Stadt nicht ist wie eure Städte, Alles ist
ländlich, sittlich; du könntest nicht bequem bei uns wohnen, es ist
alles zu eng.--Sieh unsre Stadt ist gegründet worden auf einem
ehemaligen Schlachtfeld; der Proviantwagen der Marketenderin und
allerlei andere Bagage wurden zerschlagen und geplündert, und das
zwar in einer einsamen unwegsamen Gegend. Meine Vorältern waren als
freiwillige Mäuse mit den Proviantwagen gezogen, und da nun alles
zerstört und die Soldaten fort waren, ließen sie sich dort nieder,
sammelten noch andere edle Mäuse, richteten Alles in eine vollkommene
Stadt ein, und es wird jetzt von dort aus ein großes Mäusereich
regiert. Du wirst dein blaues Wunder an den herrlichen,
geschmackvollen Anlagen sehen. Sobald wir dort sind, lasse ich dir
ein Blumenbettchen auf unserm Maifeld machen, da legst du dich gleich
nieder und schläfst und kannst dann Alles verstehen, was ich sagen
und thun werde, um deinem Vater Gockel den Ring Salomonis wieder zu
verschaffen.--Jetzt erschrick nicht, ich beiße dich ein bischen ins
Ohr, damit du aufwachst; dann nehme ich einen leuchtenden
Johanniswurm in den Mund und laufe vor dir her nach meiner Heimath,
da folgst du mir, wie einer Fackelträgerin. Glück auf Gackeleia!"
Nun biß die Prinzessin Mandelbiß mich ins Ohrläppchen, und ich
erwachte.

Schnell packte ich die Kunstfigur und alles Andre wieder in mein
Körbchen und rüstete mich zum Abmarsch. Die Mäuseprinzessin machte
die lustigsten Freudensprünge mit dem leuchtenden Johanniswürmchen
vor mir her durch das Gras, was gut war; denn da der Mond noch nicht
aufgegangen, so war es im dichten Wald noch sehr dunkel und ich wußte
weder Weg, noch Steg. Ich folgte dem Lichte; aber sie eilte so sehr,
daß ich sie oft aus dem Gesichte verlor. Wenn ich dann ängstlich
rief: "Mandelbißchen, laß mich nicht im Stiche!" pfiff sie laut und
sprang mit dem Lichtchen vor mir hoch aus dem Gras auf, wodurch ich
mich wieder zurecht fand.

Als wir ungefähr eine halbe Stunde gegangen waren, hörte ich ein
großes Gepfeife und sah um einen Hügel herum die Residenz des
Mäusekönigs im Sternenschein liegen, die ich euch gleich beschreiben
will. Kaum hatte die Prinzessin sich am Thore der Stadt gezeigt, als
es weit aufflog, und ein freudiges Gepfeife durch die ganze Stadt und
das oben liegende Schloß sich verbreitete, aus welchem viele weiße
Mäuse ihr entgegenstürzten und sie mit großem Jubel empfingen. Sie
wollte aber nicht in das Schloß hinein, sondern drehte sich
abwechselnd gegen mich und die Ihrigen, welchen sie von mir zu
erzählen schien, so, daß alle die Mäuse bald ihre Köpfchen gegen mich
aufhoben und allerlei pfiffen, was ich nicht verstand. Da sagte ich
zu ihnen: "ihr lieben Mäuse, gleich will ich mich schlafen legen,
damit ich eure Gespräche verstehen kann," und kaum hatte ich das
gesagt, als sie auch zu Tausenden anströmten und das zarteste Moos an
einem reinen Plätzchen zwischen Blumen zusammen trugen. Ich sah wohl,
das dieß ein Bettchen für mich werden sollte, und betrachtete
unterdessen die schöne Mäuse-Stadt. Oben auf dem Hügel lag das
königliche Schloß, von grossen holländischen Käsen erbaut, die alle
auf das reinlichste ausgenagt waren. Alle Thüren und Fenster waren
zwar etwas nach altem Geschmack, und nicht ganz gleichförmig
vertheilt; doch hatte die Burg ein sehr ehrwürdiges Ansehen; sie war
pyramidalisch im perspektivischen Stile erbaut, und ich kann noch
nicht begreifen, wie es Mäuse-möglich war, ein so kühnes Werk zu
Stande zu bringen.

Rings um das Schloß her und selbst auf seinen Dächern waren die
schönsten Gärten von Schimmel angelegt, den ich nie höher und
feuchter gesehen habe. Thürme von ausgehöhlten Commisbroden, mit
Kuppeln von Flaschen-Kürbissen schmückten das mit Bretzeln und
dergleichen verzierte Schloß. Die neuern Häuser der Unterthanen
bestanden aus hohlen Kürbissen und Melonen, die sie früher selbst mit
Mühe herangewältzt, in der neuern Zeit aber, bei zunehmender Bildung
und Industrie, an den Stellen gepflanzt und, wenn sie groß waren,
ausgehöhlt hatten. Aeltere adelige und Patrizier-Geschlechter
bewohnten alte Reiterstiefel, Patrontaschen, Tornister,
Pistolenhulfter, Mantelsäcke, Filzhüte und Lederhelme und was auf dem
Schlachtfelde liegen geblieben war; jedoch schienen diese Gebäude der
Reparatur zu bedürfen. Einen alten Reutersattel sah ich als Thor
oder Triumphbogen zwei Stadttheile verbinden. Alle Gebäude der etwas
sehr unregelmäßigen Stadt wurden durch größere und kleinere Anlagen
von Schimmel, Pilzen und vielerlei andern Pflanzen umher verschönert.
Auch bemerkte ich viele Höhlen in die Erde hinein, die theils Keller
und Vorrathskammern waren, theils von einem eigenen Stamm der
Feldmäuse bewohnt wurden.

Das Schönste aber von allem war Folgendes: herrlich und kunstreich
schaute von einer Höhe eine große gothische Kirche auf die ganze
Stadt wie ein Hirt auf seine Heerde herab; ihr Schiff bestand aus
einem großen alten Koffer, worüber ein zerrissener Flaschenkorb stand,
die beiden Thürme waren aber zwei weißgebleichte Pferdeschädel,
welche das Gebiß noch im Maule hatten. Leider war, wie bei den
meisten solchen Werken der Stil nicht ganz gleichartig, denn das eine
Gebiß war eine Trense das andre eine Stange. Die Thurmspitzen selbst
waren mit tausend kleinen Knochensplittern verziert und verspitzt; um
die Kirche her breitete sich der Kirchhof aus, Grab an Grab schön
geordnet, und mitten darauf ein Beinhaus von lauter Mäusegerippen und
Beinchen, weiß wie Elfenbein, in schönster Ordnung zusammengelegt.
Etwas tiefer als die Kirche lag ein Bauwerk, das zu den sieben
Wundern der Welt gezählt wird, es bestand aus einem Trinkhumpen, der
gekrönt von einem Reuterhelm in einer Trommel stand. Man nannte es
das Mausoleum, denn hier ist der erste König dieses Volkes Namens
Mausolus I. begraben, und seine Gattin Artemisia I. hat es ihm
errichtet. Alles das konnte ich nicht genug bewundern, und der Mond
schien so hell in die kleine wimmelnde Welt, daß es eine Lust war
hinein zu schauen.

Während dem hatten die Mäuschen mein Bettchen und neben mir eines für
die Kunstfigur von dem weichsten Moose zwischen Blumen fertig gemacht.
Die meisten giengen ihrer Wege, einige konnten aber gar nicht
fertig werden, mir gute Nacht zu sagen, und ich war doch von den
vielen Anstrengungen so müde, daß ich schier vergessen hätte, wie ich
hier bei weltfremden Leuten war; ja, lieber Vater! ich war so in der
Empfindung des Schlafes, daß ich glaubte, ich sey bei Mutter Hinkel
in Gelnhausen, und ich rieb mir die Augen und hatte schon angefangen,
mit weinerlicher Stimme zu sagen: "Mutter, Mutter, Gackeleia ins
Bettchen legen, Gackeleia ist müd, müd!"--Da ich aber die Worte der
Mutter nicht hörte:

"ja, schlafen gehen, das Kind ist müde, das Sandmännchen kömmt
angeschlichen", besann ich mich und schaute um mich, und sprach mit
majestätischer Stimme: "Ich habe die Ehre, Ihnen sämmtlich eine
geruhsame Nacht zu wünschen, lassen Sie sich etwas recht Schönes
träumen. Sie würden mich unendlich verbinden, wenn Sie sich
zurückziehen wollten, damit ich mich schlafen legen kann." Da aber
die dummen Mäuse immer noch verwundert da standen, jagte ich sie
endlich mit meiner Schürze nach Haus. Es ist mir nichts Peinlicher,
als das lange unentschiedene Zaudern, und doch war ich nun, da ich
mich zum Schlafen niederlegte, längere Zeit beunruhiget, daß ich die
armen Schelmen so hart angefahren hatte und bat sie in meinem Innern
herzlich um Verzeihung. Kaum war ich entschlafen, so versammelte
sich die königliche Mäusefamilie mit ihrem Ministerium um mich her,
und ich hörte alle die schönen Reden, die sie hielten, an denen
nichts auszusetzen war, als daß die kurzen zu langweilig und die
langen zu kurzweilig waren. Die Hauptsache war, wie sie der
Raugräflich Gockelschen Familie nun schon zweimalige Rettung
verdankten. Prinz Pfiffi sagte, als seine Gemahlin in die
Gefangenschaft unter die Kunstfigur gekommen, sey er den drei
Petschierstechern gefolgt, habe gesehen, wie sie sich den Ring
verschafft und sich zu vornehmen, schönen, jungen Leuten gemacht, den
Graf Gockel und seine Familie aber in arme Bettler verwünscht hätten.
Kurz er wußte Alles, und wollte morgen allein ausziehen, mir den
Ring wieder zu verschaffen, was ihm wegen der Uneinigkeit der
Besitzer sehr leicht schien. "Nein, nein" rief da die Prinzeß Sissi,
"ich will dabei seyn, du bist viel zu ungestüm, wir wollen es
zusammen versuchen, und Gackeleia soll auch mitgehn." Da sprach ich:
ja, ja, das wollen wir, und ich verspreche euren königlichen Eltern,
wenn ich den Ring wieder erhalte, einen Zentner der schönsten
holländischen Käse und einen Sack der besten Knackmandeln, um ihre
Residenz neu erbauen zu können, und dazu noch einen Zentner der
beßten Schinken zur allgemeinen Belustigung der Nation, und sonst
Alles, was dem edeln Volk der Mäuse lieb und angenehm seyn kann.
"--"Ach", rief der alte König aus, "meine liebe Gemahlin sagt mir so
eben, daß sie vor ihr Leben gerne einmal Königsberger Marzipan und
Thornischen Pfefferkuchen und Jauersche Bratwürste und Spandauer
Zimmtbretzeln und Nürnberger Honigkuchen und Frankfurter Brenten und
Sachsenhauser Kugelhupfen und Mainzer Vitzen und Gelnhauser
Bubenschenkel und Koblenzer Todtenbeinchen und Liestaller Leckerli
und Botzner Zelten und dergleichen patriotische Kuchen essen möge."

"Alles das sollt ihr im Ueberfluße erhalten", sagte ich, "sobald ich
den Ring besitze."--"Wohlan", sprach der König, "so mögt ihr morgen
mit Tagesanbruch auf das Abentheuer ausziehen. Jetzt aber soll
gleich, sobald unsre Rathsitzung geschlossen ist, in die Kirche
gezogen werden, um den Segen des Himmels zu erflehen; die fliegende
Gensdarmerie soll gleich die nöthigen Anstalten treffen."--Nach
diesen Worten des Königs Mausolus VIII. sah ich viele Fledermäuse
geschäftig durch die Stadt hin- und wiederfliegen.

Jetzt trat noch ein fataler Schmeichelredner auf, um den Muth
herauszustreichen, mit welchem ich die Ruthe für Prinzessin Sissi
ertragen hätte. Ein alter Pair aber unterbrach ihn mit den Worten:
"Ehre, dem Ehre, Ruthe, dem Ruthe gebührt! Sie litt nicht weil sie
eine Mäusefreundin, sondern eine Spielratze und einst eine
Katzenfreundin war; wer weiß, ob sie nicht noch jetzt deren Spionin
ist"--dieser Verdacht schnitt mir durchs Herz, so daß ich im Schlafe
wie eine Katze zu miauen begann, worauf dem Redner das Wort in der
Kehle stecken blieb, und das ganze Parlament über Hals und Kopf
auseinanderlief und sich in alle mögliche Wohnungen und Löcher
verkroch.

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