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New Philadelphia Book Publisher Highlights Local Talent
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NEW YORK, N.Y. -- Nathan Yungerberg, an accomplished model scout and professional child photographer is launching a nation-wide casting call to find the cover model for his highly anticipated book release, 'The Model Child: A Parents Guide to the Child Modeling Industry' (ISBN: 978-0-9817018-0-6).


Book: Gockel, Hinkel und Gackeleia

C >> Clemens Brentano >> Gockel, Hinkel und Gackeleia

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Gockel umarmte den Conducteur, knöpfte seinen Wammes auf, zeigte ihm
seinen Orden und gab sich als den Exhühnerminister zu erkennen.
Niemand war froher als der Conducteur. Sie eilten nach dem
umgefallenen Postwagen, trugen die Kartoffeln, das Mehl, das Brod,
den Käs, die Butter, die Gockel gehörten, in ein dichtes Gebüsch,
richteten den Postwagen wieder auf, wischten mit Gras das Eigelb von
den zerbrochenen Eiern aus dem Wagen und schmierten die Räder damit.
Gockel nahm seinen Siegelring, worauf ein doppelter Hahn eingestochen
war, den er mit Eigelb bestrich und dem Conducteur in sein Postbuch
als Bescheinigung des Empfangs abdruckte.--"Nun ist alles
vortrefflich, Herr Graf," sagte der Conducteur, "aber eine
Gefälligkeit möchte ich mir erbitten. Ein Freund von mir, in
Nürnberg, ein Liebhaber von Raritäten, hat auf der Durchreise in
Gelnhausen, im königlichen Normalhühnermuseum, eine Sammlung kleiner,
von Federn gemachter Hühnchen gesehen, und wünschte um Alles in der
Welt zu wissen, wo dieselben verfertigt werden, er könnte bei seinem
ausgebreiteten Handel wohl hundert Dutzend davon gebrauchen." "Gut,
mein Freund," erwiederte Gockel, "ich kann sie Ihnen verschaffen,
hier haben sie gleich zwei Dutzend von neuester Façon als eine Probe;
wenn sie hier wieder vorbeifahren, legen sie nur dort in den hohlen
Baum, was ihr Freund dafür bezahlt, sie sollen dort immer von Zeit zu
Zeit einige Dutzend solchen Geflügels vorräthig finden. Wenn sie
wieder kommen, bringen sie mir etwas Drath und Zwirn und eine halbe
Elle rothes Tuch mit, die Beine und den Kamm an den Thierchen schöner
machen zu können." Der Conducteur versprach Alles, und da Gockel
fragte, wie denn das Handlungshaus in Nürnberg heiße, zog er eine
leere Rauchtabaksdüte aus der Tasche, füllte die Hühnchen hinein und
zeigte Gockel die Adresse: Gebrüder Portorico ohne Rippen.--Da blies
der Postillon recht ungeduldig. Gockel schüttelte dem Conducteur die
Hand, der in den heil. römischen Reichspostwagen kroch, der gewiß
sehr schnell fortgefahren wäre, weil er so gut geschmiert war--aber
der Kasten war schwer, die Pferde müd, der Weg schlecht und der
Postillon schlief.

Gockel packte sogleich von Allem, was er erhalten hatte, so viel auf,
als er tragen konnte, das Uebrige verdeckte er dicht mit Zweigen, um
es Morgen vollends nach Haus zu bringen. Als er in das Schloß kam,
rief er sogleich: "geschwind Frau Hinkel! Den Kessel übers Feuer,
ich bringe Lebensmittel," und nun zeigte er, was er gebracht, und
erzählte Alles, was er erlebt." Frau Hinkel kochte Kartoffeln,
machte gebrannte Mehlsuppe, backte Pfannkuchen. Sie assen fröhlich,
streuten den Vögeln Brosamen und giengen zufrieden schlafen. Am
andern Morgen holte Gockel den übrigen Vorrath und fuhr fort in dem
wüsten Gebäude aufzuräumen und einzurichten.

Ihr Leben ward täglich erträglicher in dem wilden Schloß. Gockel
gieng oft ganze Tage in den Wald, bald zu jagen, bald um die
Vögelchen und Hühnchen der Frau Hinkel in den hohlen Baum zu tragen,
wo er immer für jedes zwei Kreuzer von Hrn. Gebrüder Portorico ohne
Rippen durch den Conducteur und neue Bestellungen, und was er selbst
bestellt, hingelegt fand.--Wenn Gockel weggieng, befahl er immer, was
gearbeitet werden sollte, und Alektryo horchte seinen Aufträgen
jedesmal sehr ernsthaft zu. Seine Befehle wurden aber nicht immer
befolgt. Zum Beispiel: Gackeleia sollte aus Weidenruthen
Hühnernester flechten und die Weidenruthen in den Brunnen vor dem
Schloßgarten legen, damit sie sich recht geschmeidig flechten ließen;
aber sie that das sehr nachlässig, war eine neugierige, naschhafte
kleine Spielratze, guckte in alle Vogelnester, naschte von allen
Beeren, machte sich Blumenkränze und hatte keine rechte Lust zum
Arbeiten, weßwegen der strenge Alektryo sie manchmal mit großem Zorn
ankrähte, so daß sie erschreckt zu ihrer Arbeit zurücklief. Darum
faßte sie einen starken Unwillen auf den alten Wetterpropheten und
verklagte ihn bei der Mutter. Auch diese hatte keine Liebe zu
Alektryo, denn, wenn sie sich manchmal über der Gartenarbeit ermüdet
auf einen Stein setzte und sehnsüchtig an die Fleischer--und
Bäckerladen zu Gelnhausen dachte, begann Alektryo, der ihr immer wie
ein beschwerlicher Haushofmeister auf allen Schritten nachgieng, auf
den zu bestellenden Gartenbeeten zu scharren und zu krähen, um sie an
die Arbeit zu erinnern.

Als sie nun einstens so sitzend eingeschlafen war und vergessen hatte,
der Henne Gallina Futter vorzustreuen und frisches Wasser zu geben,
träumte ihr auch von den Gelnhausner Braten und Eierwecken so klar
und deutlich, daß sie im Traum sagte: "ach es ist Wahrheit, es ist
kein Traum;" da krähte ihr Alektryo so schneidend dicht in die Ohren,
daß sie vor Schrecken erwachte und an die harte Erde fiel. Darum
hatte sie noch einen viel größern Unwillen gegen den ehrlichen
Stammhahn Alektryo, und jagte ihn überall hinweg, wo sie zu thun
hatte. Auch hätte sie ihm gerne längst den Hals abgeschnitten, weil
er sie alle Morgen um 3 Uhr von ihrem Lager aufweckte. Aber er war
ihr zu der Hühnerzucht, auf welche Gockel alle seine Hoffnung
gestellt hatte, gar zu nöthig.

Wenn nun Gockel Abends heimkehrte, kam ihm gewöhnlich Alektryo
entgegengeflogen, schlug mit den Flügeln und krähte ihm allerlei vor,
als wolle er Hinkel und Gackeleia wegen ihrer Nachläßigkeit verklagen,
und diese verklagten den Hahn wieder und es gieng ein strenges
Nachforschen Gockels über Alles an, wo darin Hinkel und Gackeleia
mancherlei Verdruß bekamen, so daß sie dem Alektryo täglich
feindseliger wurden. Das Alles währte so fort, bis die Henne Gallina
dreißig Eier gelegt hatte, auf denen sie brütend saß. Auf diese Brut
setzte Gockel alle seine Hoffnung für die Zukunft, und zürnte darum
so gewaltig auf Frau Hinkel, als sie die Vorsprecherin der Raubvögel
werden wollte, die gern im Schloße aufgenommen gewesen wären, worüber
ihr Gockel einen so derben Verweis gab, wie ich gleich anfangs
erzählte.

Die Freude des guten Gockels über seine brütende Henne war ungemein
groß, und da er täglich erwartete, daß die kleinen Hühnchen
auskriechen sollten, eilte er nach einer nahe gelegenen Stadt, Hirse
zu ihrem Futter zu kaufen, und empfahl sowohl der Frau Hinkel als der
kleinen Gackeleia sehr auf die brütende Gallina Acht zu haben, daß
ihr ja niemals etwas mangle. Er gieng schon um Mitternacht weg, weil
er einen weiten Weg vor sich hatte. Frau Hinkel dachte nun einmal
recht auszuschlafen, und nahte sich dem Hahn Alektryo, der noch auf
seiner Stange schlafend saß, ergriff ihn und steckte ihn in einen
dunkeln Sack, damit er den anbrechenden Morgen nicht erblicken und
sie mit seinem Krähen nicht erwecken möge, worauf sie sich wieder
niederlegte und wie ein Ratze zu schlafen begann.

Das Töchterlein Gackeleia aber schlief nicht viel, denn sie hatte
sich schon lange darauf gefreut, wenn der Vater Gockel einmal länger
abwesend seyn würde, sich ein Vergnügen zu machen, das sie gar nicht
erwarten konnte. Sie hatte nämlich bei ihrem Herumklettern in einem
entfernten Winkel des alten Schloßes eine Katze mit fünf Jungen
gefunden und weder dem Vater noch der Mutter etwas davon gesagt, weil
diese immer sehr gegen die Katzen sprachen. Gackeleia aber konnte
sich nie satt mit den artigen Kätzchen spielen, sie brachte alle ihre
Freistunden bei denselben zu und hatte der alten Katze den Namen
Schurrimurri gegeben, die fünf Jungen aber Mack, Benack, Gog, Magog
und Demagog genannt. Heute stand sie nun in aller Frühe leise neben
der schlafenden Mutter auf, froh, daß Alektryo sie nicht verrathen
könne, denn sie hatte wohl bemerkt, daß die Mutter ihn in den Sack
gesteckt. Als sie aber an dem Neste der brütenden Gallina
vorübergieng, hatte sie eine wunderbare Freude, denn sieh da, alle
die Eier waren kleine Hühnchen geworden, und piepten um die Henne
herum und drängten sich unter ihre ausgebreiteten Flügel und guckten
bald da, bald dort mit ihren niedlichen Köpfchen hervor. Gackeleia
wußte sich vor Freude gar nicht zu fassen; anfangs wollte sie die
Mutter gleich wecken, dann aber fiel es ihr ein, sie wolle es zuerst
ihren kleinen Kätzchen erzählen, und meinte, die würden sich eben so
sehr, als sie selbst, über die schönen Hühnchen freuen.

Schnell lief sie nun nach dem Katzennest, und als ihr die alte Katze
mit einem hohen Buckel entgegen kam und um sie herumzuschnurren
begann, und die kleinen Kätzchen hinter ihr drein zogen, sprach
Gackeleia: "Ach, Schurrimurri! Gallina hat dreißig junge Hühnchen,
und jedes ist nicht größer als eine Maus." Als die Katze dies hörte,
war sie so begierig die Hühnchen zu sehen, daß ihr die Augen
funkelten. Da sagte Gackeleia: "wenn du hübsch leise auftreten
willst und nicht miauen, damit die Mutter nicht erwacht, so will ich
dir die artigen Hühnchen zeigen; die kleinen Kätzchen können auch
mitgehen, die werden große Freude an den Hühnchen haben." Gleich
lief nun Schurrimurri mit ihren Jungen vor Gackeleia her, und als sie
an den Stall gekommen waren, ermahnte sie dieselben nochmals, recht
artig zu seyn, und machte leise die Thüre auf. Da konnte sich aber
Schurrimurri nicht länger halten, sie setzte mit einem Sprunge auf
die brütende Gallina und erwürgte sie, und die jungen Kätzchen waren
eben so schnell mit den jungen Hühnchen fertig.

Das Geschrei der Gackeleia und der sterbenden Gallina weckte die
Mutter, die noch auf dem Lager schlief und mit Entsetzen ihre ganze
Hoffnung von der Katze erwürgt sah, die sich, nebst ihren Jungen,
bald mit ihrer Beute davon machte. Gackeleia und Hinkel weinten und
rangen die Hände, und der arme Alektryo, der das Wehgeschrei der
Seinigen wohl gehört hatte, flatterte und schrie in dem Sack.

Gackeleia wollte sterben vor Angst, sie umfaßte die Kniee der Mutter
und schrie immer; "ach der Vater, ach der Vater, ach was wird der
Vater sagen, ach er wird mich umbringen; Mutter, liebe Mutter, hilf
der armen Gackeleia!"

Frau Hinkel war nicht weniger erschreckt, als Gackeleia, und
fürchtete sich nicht weniger als diese vor dem gerechten Zorne
Gockels, denn sie hatte den wachsamen Alektryo in den Sack gesteckt.
Als sie das bedachte, fiel ihr auf einmal ein, sie wolle den Hahn
Alektryo als den Mörder der jungen Hühnlein angeben, und hoffte
dadurch den Zorn Gockels auf diesen unbequemen Wächter zu wenden.
Sie nahm daher den Sack, worin der Hahn war, und sagte: "komm
Gackeleia, wir wollen dem Vater nacheilen und ihm den Alektryo als
den Mörder der kleinen Hühner und der Gallina überbringen," und so
eilten sie nun beide den Gockel einzuholen, der im Walde herumstrich,
einiges Wild zu erlegen, das er bei dem Krämer gegen Hirse
vertauschen wollte.

Bald sahen sie ihn auch in einem Busche zwei Schnepfen, die sich in
einem Sprenkel gefangen hatten, in seinen Ranzen stecken; da fiengen
sie laut an zu weinen. Gockel schrie ihnen entgegen: "Gott sey Dank,
ihr weinet gewiß vor Freude, Gallina hat gewiß dreißig schöne junge
Hühnchen ausgebrütet."--"Ach," schrie Frau Hinkel, "ach ja, aber!
"--"Aber, was aber?" sagte Gockel, "was aber weint ihr, dreißig
Hühner, und immer so fort, entsetzlich viele Hühner!"--Da rief Hinkel:
"O Unglück über Unglück, Alektryo, dein sauberer Haushahn hat
Gallina und alle die gegenwärtigen und künftigen Hühner gefressen!
Da hab ich ihn in den Sack gesteckt, da hast du ihn, strafe ihn, ich
will ihn nie wieder sehen." Mit diesen Worten warf sie dem vor
Schreck versteinerten Gockel den Sack mit dem Hahn vor die Füße.
Gockel war über die schreckliche Nachricht, die alle seine Hoffnungen
zerstörte, ganz wie von Sinnen; "ach," rief er aus, "nun habe ich
Alles verloren, das Glück weicht von meinem Stammhaus, alle meine
Voreltern und Nachkommen sind betrogen durch den unseligen Alektryo,
den wir über Menschen und Vieh hoch geachtet haben. O! hätte ich ihn
doch den drei morgenländischen Petschierstechern für den Geisbock und
die Ziege verkauft, da hätten wir doch etwas gehabt." Als Frau
Hinkel hörte, daß er den Alektryo so gut hätte verkaufen können,
machte sie dem Gockel bittere Vorwürfe, der immer trauriger ward, und
endlich seinen alten pergamentenen Adelsbrief aus dem Busen zog und
zu seiner Frau sagte: "Hinkel, sieh, was meinen Stamm immer bewogen
hat, den Alektryo zu ehren; da unten auf der goldenen Büchse, in
welcher der treulose Alektryo als mein Familienwappen in Wachs
abgebildet ist, steht ein alter Familienspruch, nach welchem ich mit
allen meinen Vorfahren, von dem Geschlechte des Alektryo unser Glück
erwartete. Die schriftliche Urkunde davon ist bei der Verbrennung
unseres Schlosses verloren gegangen, mein Großvater hat den Spruch
aber zum ewigen Angedenken auf die goldene Siegelbüchse stechen
lassen. Er lautet ganz klar:

"Alektryo bringt dir Glücke selbst um Undank.
Gockel--Kopf--Kropf--Siegel--Brod gab."

Was aber die Worte: Kopf, Kropf, Siegel, Brod gab, bedeuten sollen,
weiß ich nicht."

Als er kaum die Worte ausgesprochen hatte, traten die drei
Petschierstecher, die ihm neulich den Hahn abkaufen wollten, aus dem
Gebüsch und sprachen: "was befehlen der Herr Graf Gockel von Hanau
von uns?"--"Wie so," sagte Gockel unwillig, "was soll ich
befehlen?"--"Der Herr Graf," antworteten die Männer, "haben doch
unsre Namen, Kopf, Kropf und Siegel zweimal ausgesprochen, denn so
heißen wir, seit unsre Vorältern nach Deutschland gezogen.--Aber
vielleicht wollen der Herr Graf sich ein neues Petschaft stechen
lassen; denn außerdem, daß wir in der Astrologie, Physiognomie,
Chiromantie, Geomantie, Alektryomantie, Coscinomantie, Hydromantie,
Crystallomantie, Cabbala, Goetie, Diplomatie und Prophetie
unbegreiflich billige Privatstunden geben, und daß wir Hühneraugen
schneiden, zerbrochenes Porzellain kitten und Kaffeemühlen scharf
machen, sind wir hauptsächlich Petschierstecher, was durchaus zur
Diplomatie, wegen der Siegelkenntniß an den Urkunden, und zur
Verfertigung der Talismane nöthig ist. Ach, Herr Graf! es gehört
heut zu Tag ein entsetzlicher Umfang dazu, um in den Wissenschaften
komplett zu seyn; es werden grausame Forderungen gemacht, und was hat
man davon, nichts als die Ehre, daß Alles in einander greift mit
leeren Händen. Ja, wenn der Handel mit Vieh, mit alten Kleidern und
Hasenpelzen nicht wäre--Herr Graf!--wahrhaftig die hohen
Wissenschaften machen die Suppe nicht fett."--"Also, daß ich meine
Rede nicht vergesse, wollen der Herr Graf sich nicht ein Petschaft
stechen lassen?--denn wir sehen, daß sie Ihr Siegel in den Händen
haben, welches ein Siegel des Gleichnisses, voll der Weisheit und
ausnehmend schön ist."

"Ach", sagte Gockel, "ich möchte mein Wappen lieber ganz vernichten,
denn der Hahn Alektryo, der darauf abgebildet ist, hat uns schändlich
betrogen," und nun erzählte er ihnen sein ganzes Unglück.--"Sehen der
Herr Graf," sagte der eine Petschierstecher, "wie gut wir es mit
Ihnen gemeint, da wir Ihnen neulich den Hahn abkaufen wollten; haben
wir nicht gesagt, Sie würden ihn nächstens vielleicht gern los werden,
wenn ihn nur jemand wollte, das lehrte uns die Prophetenkunst."

"Wie so, gut gemeint," sagte Gockel, "wie konntet ihr denn wissen,
daß mich der Hahn in solches Leid versetzen werde?" Da erwiederte
der eine Morgenländer: "dieß Leid ist ja deutlich in dem alten
Familienspruch ausgesprochen, welchen unsre Vorältern selbst auf die
goldne Siegelbüchse gestochen haben; weswegen auch abgekürzt unter
dem Spruche steht, daß durch diese Arbeit Gockel dem Kopf, dem Kropf,
dem Siegel Brod gab, und aus Dankbarkeit für dieses Brod, das Ihre
Vorältern den unsern gegeben, wollten wir, da der Herr Graf in
Ungnade und Armuth gerathen ist, Ihro Excellenz den Hahn abkaufen,
weiteres Unglück von Ihnen abzuwenden."

"Das ist dankenswerth," erwiederte Gockel, "aber ich sehe in dem
Spruche gar keine Unglücksprophezeiung, sondern gerade das Gegentheil;
steht nicht in den Worten: Alektryo bringt dir Glücke selbst um
Undank.

ganz deutlich ausgesprochen, daß der Hahn selbst für Undank seinem
Herrn Glück bringen werde?"--"Ja," sagte da der zweite
Petschierstecher, "der Spruch ist, wie viele solche Sprüche, in der
Flattirmanier gestellt, große Herrn flattirt man gern. Die Urkunde
ist ein bischen verschmeichelt und aus Menschenfreundlichkeit ein
wenig aufgemuntert; so wie man einem alten Roß die Haare aus den
Ohren schneidet und die Zähne feilt, daß es jünger aussieht, haben
unsre Vorfahren dem damaligen Graf Gockel den Schrecken ersparen
wollen und haben ein r aus einem e und aus einem u ein ü gemacht,
denn der Spruch heißt eigentlich:

Alektryo bringt die Glucke selbst um, o Undank!

was durch die Thatsache bewiesen ist, denn der undankbare Alektryo
hat ja die Glucke sammt den Küchlein umgebracht; wir aber müssen
dieses verstehen, denn wir sind von undenklichen Zeiten aus dem
Stamme der Petschierstecher. Von unsern Vorältern ist das Siegel
Juda, das Siegel Pharaos, das Siegel Ahabs, das Siegel Ahasveri und
das Siegel des Darius gestochen, womit er den Daniel in die
Löwengrube versiegelte. Wir sind Leute vom Fach, der Herr Graf
können sich auf die Güte unsrer Auslegung verlassen, und so sie sich
nicht von erster Qualität bewährt, können der Herr Graf sie uns
wieder zurückgeben."

Gockel ganz von der Rede der Männer und seinem Unglücke überzeugt,
bat sie, ihm doch nun den Bock und die Ziege für den Hahn zu geben,
aber das wollten sie nicht mehr und sprachen: "was soll uns der Hahn,
er ist ein Unglückshahn, er kann uns ein Leid anthun, wer wird einen
Unglückshahn essen, und bleibt er am Leben, er könnte einem ein
Unglück ankrähen; aber lassen ihn der Herr Graf einmal sehen, man
kauft keine Katze im Sack, viel weniger einen Hahn." Da zog Gockel
den Hahn aus dem Sack, und sprach weinend: "o Alektryo, Alektryo!
welch Leid hast du mir gethan." Alektryo ließ Kopf und Flügel hängen
und war sehr traurig; aber als ihm der eine Petschierstecher an den
Kropf fühlen wollte, ward er ganz wüthend; alle seine Federn
sträubten sich empor, er hackte und biß nach ihm und schrie und
schlug so heftig mit den Flügeln, daß der Mann zurückwich, und Gockel
den Hahn kaum halten konnte.

"Schau eins," sagten die drei Petschierstecher, "man soll noch Geld
geben für so ein wildes Ungeheuer, es will die Leute fressen; wer
wird ihn kaufen?" Als aber Gockel ihn immer wohlfeiler bot, sagten
sie ihm endlich: "wir geben dem Herrn Grafen, wenn er uns den Hahn
nach Hause tragen will, neun Ellen Zopfband dafür, daß er sich einen
schönen langen Zopf binden kann, wie sichs einem Grafen gebührt," und
Gockel willigte ein, um nur etwas für den Alektryo zu erhalten.

Frau Hinkel und Gackeleia hatten alles dieses still mit angehört und
giengen mit schwerem Gewissen nach Hause, denn sie wußten wohl, daß
die Dreie die Unwahrheit sagten. Gockel aber nahm den Alektryo unter
den Arm und folgte traurig den drei Petschierstechern durch den Wald
nach ihrem Wohnorte. Anfangs giengen sie dicht um ihn; weil der Hahn
aber dann immer nach ihnen biß und schrie, baten sie Gockel, einige
Schritte mit dem grausamen Ungeheuer hinter ihnen her zu gehen.
Gockel hörte öfter, wie die drei unheimlichen Männer zu einander
sagten: "Kropfauf, Siegelring, Kopf ab," und wie sie dann miteinander
zankten und immer einer zum andern schrie: "nein ich Siegelring, nein
du Kropf auf, nein du Hals ab," und als Gockel sie fragte, warum sie
immer miteinander zankten, sagten sie: "ei, es will keiner von uns
den Hahn schlachten, weil er ein so grausames Thier ist; wenn der
Herr Graf ihn gleich schlachten, so wollen wir Ihro Excellenz den
Kamm, die Füße und Sporen und Schweif geben, die können Sie auf die
Mütze setzen zum ewigen Andenken,--ein schönes Monument, ein
statuirtes Exempel für den Undank; drehen Sie ihm unterm Tragen doch
ganz leise den Hals herum."

"Gut," sagte Gockel, und faßte den Alektryo an der Kehle. Da fühlte
er aber etwas sehr Hartes in seinem Kropfe, und der Hahn bewegte sich
so heftig dabei, daß die Männer sich sehr fürchteten und zu Gockel
sagten: "Ach gehen der Herr Graf ein wenig weiter hinter uns her."
Das that Gockel, und als er wieder an den Hals des Alektryo faßte,
fühlte er das Harte im Kropfe wieder, und machte sich allerlei
Gedanken, was es doch nur seyn könne. Da sagte auf einmal der Hahn
mit deutlichen Worten zu ihm:

"Lieber Gockel, bitt' dich drum
Dreh mir nicht den Hals herum,
Köpf mich mit dem Grafenschwert,
Wie es eines Ritters werth.
Weh, Graf Gockel, bittre Schmach!
Trägt den Hahn den Schelmen nach."

Gockel blieb vor Schrecken und Rührung stehen, als er den Alektryo
reden hörte, aber er besann sich bald eines Andern, und wollte ihnen
nicht mehr den köstlichen Hahn, der reden konnte, um neun Ellen
Zopfband nachtragen, und rief ihnen zu, links in das Gebüsch zu
treten, jetzt wolle er das grausame Ungeheuer tödten.

Sie sprangen schnell in das Gebüsch, aber da war eine mit Reisern
bedeckte Wolfsgrube, die kannte Gockel gut, denn er hatte sie selbst
gegraben, und Plumps fielen alle drei morgenländische
Petschierstecher hinein, und riefen dem Gockel, ihnen herauszuhelfen;
aber dieser gab keine Antwort, und schlich sich in die Nähe der Grube,
um zu hören, was sie da unten für Betrachtungen anstellen würden.

"O weh mir!" schrie der Eine, "da haben wir es, wer dem Andern eine
Grube gräbt, fällt selbst hinein; was nützt uns nun der Siegelring
des Darius, womit er die Löwengrube verschlossen, wir sitzen in der
Wolfsgrube. Alle Mühe und Arbeit und Salomonis Siegelring in des
Hahnen Kropf ist verloren für uns, der Gockel muß es gemerkt haben,
daß Kopf, Kropf, Siegel nicht unsere Namen, sondern nur einzelne
Worte des alten geheimen Spruches sind, welcher sagt: man müsse dem
Hahnen den Kopf ab und den Kropf aufschneiden, um Salomonis
Siegelring aus demselben zu erhalten, der einem giebt, Herz was
verlangst du? Jugend und Reichthum, alle Güter der Welt, Geld!--Geld!
--Geld!--Geld!"-Dann schrie der Andere: "o wehe uns, daß wir jemals
etwas von dem Ring in dem Kropfe des Hahnen erfahren haben; o hätten
unsere Väter doch niemals in dem alten Gockelschloß nach Schätzen
gegraben, und dort das ganze Geheimniß auf dem Grabsteine eingehauen
gelesen, so hätten wir Ruhe gehabt, jetzt schwebt uns der Ring immer
vor den Augen, der einem giebt, Herz was verlangst du? Jugend und
Reichthum, alle Güter der Welt!--Geld! Geld!--Geld!--Geld!"

Nun schrie der Dritte: "o Unglück über Unglück, alle Mühe und Arbeit
verloren! Wie lange haben wir dem König von Gelnhausen zugesetzt,
wie viel haben wir an seine Minister spendirt, bis sie den Gockel ins
Elend gebracht, damit wir ihm den Hahn leicht abkaufen könnten; haben
unsere Eltern doch allein das Petschierstechen gelernt, um dem Hahn
näher zu kommen, da sie sein Portrait nach der Natur auf das
Grafensiegel stachen, wo sie ihm auf den Zahn fühlen konnten, ob er
nach dem Tod des frühern Hahns, als dessen erstgeborner Sohn, auch
den Ring wieder im Kropf habe.--Wie haben wir müssen laufen von
Heddernheim nach Krakau, von Krakau nach Bockenheim, von Bockenheim
nach Constantinopel, von Constantinopel nach Fürth, von Fürth nach
Jerusalem, von Jerusalem nach Worms, von Worms nach Cairo, von Cairo
wieder nach Heddernheim und von Heddernheim wieder in die ganze
Geographie, laufen, laufen um zu lernen die Kabbala, Gicks Gacks und
Kikriki, die große Alektryomantie, bis wir endlich den Spruch auf dem
Grabstein in der Burg Gockels verstehen konnten.--Weh, Alles umsonst,
Alles verloren! Wenn wir nur aus dem Loche wären, und wer bezahlt
mir nun die Katze, die ich mit ihren fünf Jungen selbst aus meinem
Beutel gekauft und in das Schloß gesetzt habe, damit sie die Gallina
sammt der Brut fressen sollte, auf daß dem Gockel der Hahn feil
würde? Wer bezahlt mir die Katze? Ich will mein Geld für die Katze.
Hätte ich ihr den Pelz doch abziehen und sie als einen Hasen
verkaufen und den Pelz auch verkaufen können, ich will mein Geld für
die Katze! Die Katze ist verloren, der Ring ist verloren, der einem
giebt, Herz was verlangst du? Jugend und Reichthum, alle Güter der
Welt!--Geld!--Geld!--Geld!--Geld!"-Da Gockel über ihr Geschrei lachen
mußte, glaubte der erste Petschierstecher, der zweite habe ihn
ausgelacht, und schlug nach ihm; der schrie und sagte, der dritte sey
es gewesen; da schlug dieser nach ihm und daraus entstand eine
allgemeine Prügelei unter den Dreien, worüber Gockel mit Alektryo die
Grube verließ und nach seinem Schloße in tiefen Gedanken zurückgieng.

Gockel hatte gar vieles erfahren, die Lüge der Frau Hinkel und der
kleinen Gackeleia, die Anwesenheit einer alten Schrift auf einem
Grabstein in seiner Schloßkapelle, das Geheimniß von dem Siegelring
in des Hahnen Kropf und die ganze Betrügerei der morgenländischen
Petschierstecher. Alles dieses machte ihn gar tiefsinnig und betrübt;
er drückte den edlen Hahn Alektryo einmal um das andremal an sein
Herz und sagte zu ihm: "nein, du geliebter, ehrwürdiger, kostbarer
Alektryo, und wenn du den Stein der Weisen in deinem Kropf hättest,
du sollst darum durch meine Hand nicht sterben, und ehe Gockel nicht
verhungert, sollst du auch nicht umkommen." Nach diesen Worten
wollte Gockel dem Alektryo einen Bissen Brod geben, der aber
schüttelte den Kopf und sprach gar beweglich:

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