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New Philadelphia Book Publisher Highlights Local Talent
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NEW YORK, N.Y. -- Nathan Yungerberg, an accomplished model scout and professional child photographer is launching a nation-wide casting call to find the cover model for his highly anticipated book release, 'The Model Child: A Parents Guide to the Child Modeling Industry' (ISBN: 978-0-9817018-0-6).


Book: Gockel, Hinkel und Gackeleia

C >> Clemens Brentano >> Gockel, Hinkel und Gackeleia

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Der König von Gelnhausen wohnte damals nicht in der Stadt, sondern
eine Meile davon, in seinem Lustschloße Kastellovo, auf deutsch
Eier-Burg, denn das ganze Schloß war von ausgeblasenen Eierschalen
errichtet, und in die Wände waren bunte Sterne von Ostereiern
hineingemauert. Dieses Schloß war des Königs Lieblingsaufenthalt,
denn der ganze Bau war seine Erfindung, und alle diese Eierschalen
waren bei seiner eigenen Haushaltung ausgeleert worden. Das Dach der
Eierburg aber war in Gestalt einer brütenden Henne wirklich von
lauter Hühnerfedern zusammengesetzt, und inwendig waren alle Wände
eiergelb ausgeschlagen. Gerade der Bau dieses Schloßes war schuld
gewesen, daß Gockel einstens aus den Diensten des Königs gegangen war,
weil er sich der entsetzlichen Hühner--und Eierverschwendung
widersetzte und dadurch den König erbittert hatte. Täglich kam nun
der königliche Küchenmeister mit einem Küchenwagen nach Gelnhausen
gefahren, um die nöthigen Vorräthe für den Hofstaat einzukaufen. Wie
erstaunte er aber heute, als er die ganze Stadt in einem allgemeinen
Bürgerfest vor einem nie gesehenen Palaste erblickte und den Namen
Gockels an allen Ecken ausrufen hörte. Aber sein Erstaunen ward bald
in einen großen Aerger verwandelt; denn wo er zu einem Bäcker oder
Fleischer oder Krämer mit seinem Küchenwagen hinfuhr, um einzukehren,
hieß es überall: Alles ist schon für Seine Raugräflichen Gnaden
Gockel von Hanau gekauft. Da nun endlich der königliche
Küchenmeister sich mit Gewalt der nöthigen Lebensmittel bemächtigen
wollte, widersetzten sich die Bürger und es entstand ein Getümmel.
Gockel, der die Ursache davon erfuhr, ließ sogleich dem Küchenmeister
sagen, er möge ohne Sorgen seyn, denn er wolle Seine Majestät den
König und Seine ganze Familie und Seine ganze Dienerschaft
allerunterthänigst heute auf einen Löffel Suppe zu sich einladen
lassen, und er, der Küchenmeister, möchte nur mit seinem Küchenwagen
vor seine Schloß-Speisekammer heranfahren, um ein kleines Frühstück
für den König mitzunehmen. Der Küchenmeister fuhr nun hinüber, und
Gockel ließ ihm den ganzen Küchenwagen mit Kibitzeneiern anfüllen und
setzte seine zwei Kammermohren oben drauf, welche den König
unterrichten sollten, wie man die Kibitzeneier mit Anstand esse; denn
der König hatte seiner Lebtage noch keine gegessen.

Der Küchenmeister fuhr durch den Sand in gestrecktem Galopp mit
seinem Küchenwagen voll Eiern nach dem Lustschloß, ohne ein Einziges
zu zerbrechen, nur daß die zwei Mohren, wo es zu langsam ging,
manchmal absteigen und zu Fuß gehen mußten; sie kamen jedoch zugleich
in der Eierburg an.

Mit höchster Verwunderung hörte König Eifrasius die Geschichte von
dem Schloß und dem Gockel durch den Küchenmeister erzählen, und ließ
sich sogleich ein Hundert von den Kibitzeneiern hart sieden. Als nun
die zwei schwarzen Kammermohren in ihren goldbordirten Röcken mit der
silbernen Schüssel voll Salz, in welches die Eier festgestellt waren,
hereintreten, und mit ihrer schwarzen Farbe so schön gegen den weißen
Eierpalast abstachen, hatte der König Eifrasius große Freude daran.
Er ließ seine Gemahlin Eilegia, und seinen Kronprinzen Kronovus zum
Frühstück berufen, und erzählte ihnen das große Wunder vom Palast
Gockels. "Ach", sagte Kronovus, "da ist wohl die kleine Gackeleia,
mit welcher ich sonst spielte, auch wieder dabei." "Natürlich",
sprach Eifrasius, "wir wollen gleich nach diesem Frühstück hinein
fahren und das ganze Spektackel ansehen. Aber seht nur die kuriosen
Eier, die er uns zum Frühstück sendet; grün sind sie mit schwarzen
Puncten; man nennt sie Kibitzeneier, sie kommen weit aus Rußland und
werden so genannt, weil sie in Kibitken, einer Art von Hühnerstall
auf vier Rädern gefunden, oder gelegt, oder hieher gefahren werden."

Da sprach der eine Kammermohr: "ich bitte Eure Majestät um Vergebung,
man nennt sie Kibitzeneier, sie werden vom Kibitz, einem Vogel gelegt,
der ungefähr so groß wie eine Taube und grau wie eine Schnepfe ist,
und wie eine französische Schildwache beim Eierlegen immer Ki wi, Ki
wi schreit, wenn man dann: "gut Freund" antwortet, so kann man
hingehen und ihm die Eier nehmen, worauf er gleich wieder andere legt."
Den König Eifrasius ärgerte es, daß der Mohr ihn in
Eierkenntnissen belehren wollte, und sagte zu ihm: "halt er sein Maul,
er versteht nichts davon, sey er nicht so nasenweis." Darüber
erschrack der Mohr wirklich so sehr, daß er ganz weiß um den Schnabel
wurde. Der andere Mohr sprach nun: "der Raugraf Gockel hat uns
befohlen, Eurer Majestät zu zeigen, wie diese Eier jetzt nach der
neuesten Mode gespeist zu werden pflegen." "Ich bin begierig", sagte
der König, "es zu sehen." Da nahm jeder der Kammermohren eins von
den Eiern in die flache linke Hand, und nun traten sie mit
aufgehobener Rechte einander gegenüber und baten den König eins, zwei,
drei zu kommandiren. Das that Eifrasius, und wie er drei sagte,
schlug der eine Mohr dem andern so auf das Ei, daß der gelbe Dotter
gar artig auf die schwarze Hand herausfuhr. Dem König gefiel dieses
über die Massen, und sie mußten es ihm bei allen hundert Eiern da
Capo machen, wofür er ihnen beim Abschied beiden den Orden des rothen
Ostereies dritter Klasse ohne Dotter taxfrei zur Belohnung um den
Hals hängte.

Nun fuhr der König und seine Gemahlin und der Kronprinz mit dem
ganzen Hofstaat auf einer Wurst nach Gelnhausen zu Gockel, der ihm
mit Hinkel und Gackeleia an der Schloßthüre entgegen trat. Die
Verwunderung über den Reichthum und die jugendliche Schönheit Gockels
konnte nur durch die außerordentliche Mahlzeit noch übertroffen
werden. Alles war in vollem Jubel. Kronovus und Gackeleia saßen an
einem aparten Tischchen und wurden von den zwei Kammerzwergen bedient,
und Musik war an allen Ecken. Beim Nachtisch tranken Eifrasius und
Gockel Bruderschaft, und Eilegia und Hinkel Schwesterschaft, und
Kronovus und Gackeleia Spielkameradschaft, sprechend: "du bist mein
König und du bist meine Königin." Eifrasius zog dann den Gockel an
ein Fenster und hieng ihm das Großei des Ordens des goldnen Ostereies
mit zwei Dottern und Petersilie um den Hals und borgte hundert
Gockeld'ors von ihm, worauf das Ganze mit einem grossen Volksfeste
beschlossen wurde. So lebten Gockel und die Seinigen beinah ein Jahr
in einer ganz ungemeinen irdischen Glückseligkeit zu Gelnhausen, und
der König war so gut Freund mit ihm und seiner vortrefflichen Küche
und seinem unerschöpflichen Geldbeutel, und alle Einwohner des Landes
hatten ihn seiner grossen Freigebigkeit wegen so lieb, daß man
eigentlich gar nicht mehr unterscheiden konnte, wer der König von
Gelnhausen war, Gockel oder Eifrasius. Auch wurde es unter beiden
fest beschlossen, daß einstens Gackeleia die Gemahlin des Erbprinzen
Kronovus werden und an seiner Seite den Thron von Gelnhausen
besteigen sollte. Aber der Mensch denkt und Gott lenkt, und so kamen
auch über diese guten Leute noch manche Schicksale, an die sie gar
nicht gedacht hatten.

Alles hatte die kleine Gackeleia in vollem Ueberfluß, nur keine Puppe;
denn Gockel bestand streng auf dem Verbot, das er über sie bei dem
Tode des Alektryo hatte ergehen lassen, sie sollte zur Strafe niemals
eine Puppe haben. Wenn sie nun um Weihnachten oder am St. Niklastage
alle Mägdlein in Gelnhausen mit schönen neuen Puppen herumziehen sah,
war sie gar betrübt und weinte oft im Stillen; eine solche Sehnsucht
hatte sie nach einer Puppe. Merkte der alte Gockel aber, daß
Gackeleia, die er wie seinen Augapfel liebte, so traurig war, so that
er ihr Alles zu lieb, um sie zu trösten, zeigte ihr die schönsten
Bilderbücher, erzählte ihr die wunderbarsten Mährchen, ja er gab ihr
auch wohl manchmal den köstlichen Ring Salomonis in die Hände, der
mit seinem funkelnden Smaragd und den wunderbaren Zügen, die darauf
eingeschnitten waren, alle Augen erquickte, die ihn anschauten.

Einstens gierig nun Gackeleia in ihrem kleinen Gärtchen spazieren,
welches am Ende des Schloßgartens, dicht an der Landstraße lag. Da
waren die zierlichsten Beete voll schöner Blumen, alle mit Buchs,
Salbei und Schnittlauch eingefaßt, und die Wege waren mit glitzerndem
Goldsand bestreut; in der Mitte war ein Springbrünnchen, worin
Goldfischchen schwammen, und über demselben ein goldener Käfig voll
der buntesten singenden Vögel; hinter dem Brunnen aber war eine
kleine Laube von Rosen und eine kleine Rasenbank. Ein schönes
goldenes Gitter umgab das ganze liebe Gärtchen. "Ach", dachte
Gackeleia, "wie glückselig wäre ich, wenn ich eine Puppe in meinem
schönen Garten spazieren führen könnte, so allein gefällt er mir gar
nicht, was hilft es mir auch, wenn ich mir aus meinem Taschentuche
durch allerlei Knoten eine Puppe zusammenknüpfe, sie ist doch nie
eine schöne Gliederpuppe, ganz wie ein Mensch, mit einem schönen
lakirten Gesicht--und der Vater hat mir selbst solche Puppen verboten."

Während Gackeleia so in schweren Puppensorgen auf ihrer Rasenbank saß,
hörte sie auf einmal eine angenehme summende, aber sehr leise Musik
ganz nahe hinter ihr vor dem Garten, der an einem Feldweg lag. Da
guckte sie durch die Blätter und sah etwas Seltsames. Dicht vor dem
Gitter saß ein Mann in einem schwarzen Mantel ohne Kopf an der Erde
zusammengehuckt, und unter dem Mantel hervor schnurrte die Musik.
Gackeleia beugte sich zur Erde, um zu sehen, wo nur in aller Welt die
feine Musik herkomme; wie war sie erstaunt, als sie da unten ein paar
allerliebste Puppenbeinchen in himmelblauen, mit Silber gestickten
Schnürstiefelchen ganz im Takte der Musik herumschnurren sah, sie
wußte gar nicht, was sie vor Neugier, die Puppe ganz zu sehen,
anfangen sollte. Oft war sie im Begriffe, die Hand durchs Gitter zu
stecken und den schwarzen Mantel ein wenig aufzuheben, aber die
Furcht, weil sie an dieser Gestalt keinen Kopf sah, hielt sie immer
wieder zurück. Endlich brach sie sich eine lange Weidenruthe ab,
steckte sie durch das Gitter und lüftete den Mantel ein wenig, da
schnurrte eine wunderschöne Puppe in den artigsten Kleidern, wie eine
Reisende geputzt, unter dem Mantel hervor, und rannte gerade auf das
Gitter des Gartens zu, stieß einigemale an die goldenen Gitterstäbe
und würde gewiß zu ihr hineingekommen seyn, wenn sich nicht eine
hagere Hand aus dem Mantel nach ihr hingestreckt und sie wieder in
die Verborgenheit zurückgezogen hätte, wo die kleine Puppe von einer
rauhen Stimme sehr ausgeschimpft wurde, daß sie sich unterstanden
habe, unter dem Mantel hervorzulaufen.

Gackeleia konnte nicht mehr länger zurückhalten, und rief einmal über
das anderemal: "bitte, bitte du schwarzer Mantel, zanke doch die
liebe schöne Puppe nicht so, lasse sie doch ein wenig heraus zu mir
in den Garten." Da that sich auf einmal der Mantel auf, und ein
alter Mann mit einem langen weißen Bart richtete sich vor Gackeleia
auf und sprach: "ich bitte recht sehr um Verzeihung, daß ich meine
Puppe hier ein wenig unter meinen Mantel tanzen ließ und auf der
Maultrommel dazu spielte, ich habe nicht gewußt, daß das Comteßchen
zusah. Ich wollte nur versuchen, ob sie mir auf der Reise nicht
melancholisch geworden sey; denn ich will sie hier in Gelnhausen für
Geld auf dem Rathhause tanzen lassen. Sehen das Comteßchen nur, sie
ist ganz artig, jetzt ist sie in ihren Reisekleidern mit einem Mantel
und Reisehut und einem Blumenstrauß und einer Landkarte und einem
Nachtsack; aber die Schnürstiefelchen sind doch allerliebst, sie hält
gewaltig auf einen schönen Fuß, aber Comteßchen, sie hat eine viel
schönere Garderobe, sie kann sich verkleiden, in was sie will, bald
so, bald so, wenn das Comteßchen erlaubt, werde ich die Ehre haben,
Ihnen alle ihre Kleidchen und sieben Sächelchen zu zeigen, ich habe
mir hier um meinen Regenschirm sechszehn Silberglöckchen befestigt
und bei jedem Glöckchen ein anderes Kleidchen und was dazu gehört,
und wenn sie schmutzig sind, wäscht mir sie der Regen und im
Sonnenschein trocknen sie. Lasse ich im Wetter tanzen, geschieht es
unter dem Schirm, da ist sie wie unter einem chinesischen Dach, Alles
ist einfach und kurz beisammen, man muß auf Alles denken."--Da rief
Gackeleia aus: "ach! zeige mir Alles, Alles, explicire mir Alles; o
wie artig ist die Puppe! wie wackelt sie mit dem Köpfchen, wie
schüttelt sie die Zöpfchen, wie reicht sie die Aermchen, ach gieb sie
mir nur ein klein Bischen zu betrachten."

Der Alte sagte: "Comtesse, das kann ich nicht, aber die Kleider will
ich Ihnen gleich zeigen und Alles expliciren."

Da steckte er die Puppe in den Gürtel, die anfangs mit dem Kopf
daraus hervorwackelte und nachher stille ward; dann spannte der alte
Mann einen großen Regenschirm aus, der am Rande mit vielen kleinen
Glöckchen und bei jedem mit allerlei niedlichen Puppenkleidchen und
Kleinigkeiten behängt war. Zuerst drehte er den Schirm schnell herum,
daß die Schellen lieblich klingelten und die Puppenkleider bunt im
Kreise wehten, dann hielt er plötzlich den Schirm still und fing an,
mit einem Stäbchen deutend jedes Stück zu expliciren, wobei er halb
sprach, halb durch die Nase sang, und Gackeleia jedesmal antwortete.

Der Alte sang: "Guck', hier bei dem ersten Glöckchen
Dieses grüne, kurze Röckchen
Zieht sie an als Gärtnerin,
Möchte in dein Gärtchen hin;
Hier dies Gießkännchen, zu gießen
Alle Blümchen, die drin sprießen,
Kriegt sie in die kleine Hand."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Sie ist klein, kann ohne Bücken
Mir die schönsten Sträußchen pflücken."

Der Alte:
"Guck', hier bei dem zweiten Glöckchen
Dieses schwarze, seidne Röckchen
Und das schwarze Schürzchen dran,
Zieht sie als Scribentin an;
Denn da giebt's leicht Tintenfleckchen.
Sieh' das Tintenfäßchen klein
Und das art'ge Federlein.
Hier ist auch das Wochenblatt,
Wenn sie es gelesen hat,
Putzt sie dran die Feder rein,
Alles muß hübsch sauber seyn.
Ein Wachsstöckchen hängt auch hier
Und ein niedliches Petschier
Und ein Sieg'llakstängelchen,
Grad wie für ein Engelchen.
Und dies Briefchen mit Adresse,
Alles voll Accuratesse,
Kriegt sie dann in ihre Hand."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant
Wollen wir correspondiren,
Invitiren, gratuliren!"

Der Alte:
"Guck', hier bei dem dritten Glöckchen
Hängt ein grünes, krauses Röckchen
Und ein Hut mit grünem Band,
Goldne Fransen an dem Rand;
Spielhahnfeder, Gemsenbart
Stecket drauf, nichts ist gespart;
Sieh' den Brustlatz goldgeschnürt,
Alles, wie es sich gebührt,
Rothe Strümpfe, goldne Zwickel,
Ja, es fehlet kein Artikel,
Wenn sie als Tyrolermädchen,
Schmuck als wie ein Silberdräthchen,
Zitherspielend zieht durch's Land."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Zimm, zimm, zimm so spielest du,
Und ich singe Eins dazu."

Der Alte:
"Guck', hier bei dem vierten Glöckchen
Hängt ein dunkelbraunes Röckchen
Und ein Häubchen in der Ferne,
Denn sie trägt es gar nicht gerne
Und ein ABC-Büchlein,
Wenn sie Lehrerin soll seyn,
Auch von Christoph Schmidt nicht fehlen
Die Histörchen, zum Erzählen.
O, wie kann sie buchstabiren!
Fast so gut als deklamiren;
Und hier diese feine Ruthe
Für die kleinen Thunichtgute
Kriegt sie dann in ihre Hand."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Nur die Ruthe nicht probiren,
Ich will recht hübsch deklamiren."

Der Alte:
"Hier bei diesem fünften Glöckchen
Blinkt ein luft'ges Flitterröckchen
Ganz voll Troddeln, Quästchen, Fransen,
Wenn sie soll als Tänz'rin tanzen;
Sieh' die Goldpantöffelchen,
Wie zwei Zuckerlöffelchen,
Zieht sie an und mit dem netten
Tamburin und Kastagnetten
Schnurrt und rasselt ihre Hand."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Schnurre, raßle, klappre nur
Und wir tanzen nach der Schnur."

Der Alte:
"Guck', bei diesem sechsten Glöckchen
Hängt ein schwarz und weißes Röckchen;
Wenn sie soll ein Nönnchen seyn,
Hüllt man ihr die krausen Löckchen
Hier in dieses Schleierlein,
Setzt ihr auf dies Dornenkränzchen,
Und giebt ihr dies Rosenkränzchen
In die kleine, fromme Hand."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Sag' hast du auch Pfeffernüßchen,
Bildchen, Blümchen, Leckerbißchen?"

Der Alte:
"Guck', hier bei dem sieb'ten Glöckchen
Hängt ein feuerfarbig Röckchen
Nach der Mode von Vadutz
Zugestutzt, ein Zauberputz.
Auf dem Gürtel schwarz auf weiß,
Der zugleich der Zauberkreis,
Groß das ganze Alphabeth
Abera-Cadabra steht.
Hier ist auch der Zauberstab,
Wen er anrührt, geht in's Grab;
Ist es heut nicht, ist es morgen,
Keiner braucht darum zu sorgen.
Und hier ist der Zauberspiegel,
Wer hineinblickt, sieht das Siegel
Seiner Thorheit im Gesicht,
So bei Nacht als Tageslicht.
Und hier ist das Zaubersieb,
Wer es stiehlt, der kennt den Dieb;
Doch sieh' hier ein Wunderding,
Sieh' von Gold ein runder Ring,
Wer ihn trägt, ist nicht ganz klug,
Hat zu viel und nie genug.
Lischt die Zauberlampe hier,
Riecht der Docht gar übel schier,
Zünde schnell den Wachsstock an,
Weil man sonst nichts sehen kann.
Dieses hier der Wünschhut ist,
Wünsch dich hin, wo du nicht bist.
Dies der Sack des Fortunat,
Gold ist drin, so viel man hat.
Aber hier dies Bäumchen heißt:
Rüttel dich und schüttel dich,
Schüttle, rüttle Herz und Geist,
Leib und Seele über mich.
Gieb mir Das und gieb mir Dies,
Schönster Baum im Paradies;
Wer dies sagt und rührt den Baum
Hat, was ihm gebührt, im Traum,
Schwer und leicht und seicht und tief,
Links und rechts und grad und schief.
Alles dies mit sauber'm Sinn
Braucht sie, wenn als Zauberin
Sie die Geister um sich bannt."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Rüttel dich und schüttel dich
Liebes Bäumchen über mich."

Der Alte:
"Guck', hier bei dem achten Glöckchen
Hängt ein grünes, kurzes Röckchen,
Jägerhut und Jägertasche
Und die fein umflocht'ne Flasche
Und die Stiefelchen, die knappen,
Um im Wald herum zu tappen;
Alles dies wird angezogen,
Wenn geschmückt mit Pfeil und Bogen
Sie die flinke Jäg'rin spielt,
Und nach Reh und Häschen zielt;
Dann auch führt an einem Band
Sie dies Windspiel an der Hand."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Doch, das sollst du nicht mehr thun,
Lass' nur Reh und Häschen ruhn."

Der Alte:
"Guck', hier bei dem neunten Glöckchen
Ein ganz reputirlich Röckchen,
Wenn sie ist ein Nähemädchen;
Hier im Körbchen, Nähelädchen,
Sind viel Zwirn--und Seidenfädchen,
Nadeln, Scheerchen, Fingerhut
Und noch viele Dinger gut.
Nimmermehr ihr Finger ruht,
Denn zuletzt noch zupfet sie
Alle Restchen zur Charpie;
Und nimmt dann die Kinderkäppchen,
Flickelfleckt aus hundert Läppchen,
All die Hemdchen, Röckchen, Jäckchen
Und die Schürzchen mit zwei Säckchen,
Ausgespitzt aus vielen Fleckchen,
All' die art'gen Dingerchen
Auf die feinen Fingerchen,
Drehet sie mit Freudenblicken
Und mit kind'schem Beifallnicken
Appetitlich auf der Hand."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Komm', ich hab gar schöne Läppchen,
Komm', wir machen Kinderkäppchen."

Der Alte:
"Guck', hier bei dem zehnten Glöckchen
Hängt für sie ein krauses Röckchen
Und ein Hut mit Blumenstrauß,
Geht als Sennerin sie aus.
Sieh' im Korb die Blätter decken
Viele reine Butterwecken;
Fette Milch und frische Eier
Trägt sie feil, ist gar nicht theuer,
Jeder sie noch billig fand."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Sennerin komm' und mess' geschwind
Mir ein Schöppchen Milch für's Kind."

Der Alte:
"Guck', bei diesem eilften Glöckchen
Hängt ein grob geflicktes Röckchen
Und ein graues Futtersäckchen,
Und hier in dem Wanderbündlein
Trägt ein schreiend Wickelkindlein,
Mit dem Lutscher in dem Mündchen,
Sie als Pilgerin durch's Land;
Hier ihr kluges, mag'res Hündchen,
Das Septemberle genannt,
Ist in aller Welt bekannt."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Armes Kindchen komm' zu mir,
Deinen Lutscher füll' ich dir."

Der Alte:
"Guck', bei diesem zwölften Glöckchen
Glänzt ein Purpur-Sammetröckchen,
Breit verbrämt mit Hermelin,
Und am Krönchen goldig, perlich,
Und am Scepter blitzend herrlich
Lacht Smaragd und glüht Rubin.
Wenn sie sich als Königin
Setzt auf's goldne Thrönchen hin,
Und die goldgestickte Schleppe
Niederhänget auf der Treppe,
Küßt man still den goldnen Rand."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Doch ich küsse ihre Hand,
Denn ich bin vom Grafenstand."

Der Alte:
"Guck', hier bei'm dreizehnten Glöckchen
Hänget bei dem braunen Röckchen
Schäferhut mit breitem Rand,
Rosen drauf und grünes Band,
Und dazu auch Schäfertasche,
Schäferstab und Kürbisflasche,
Und dies Lamm an rothem Band
Führt die Hirtin durch das Land."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Braucht mein Lamm nicht mehr zu seyn
So allein, allein, allein!"


Der Alte:
"Guck', hier bei'm vierzehnten Glöckchen
Hänget für das flinke Döckchen
Ein garnirtes Kaffeebrett,
Wenn sie schön die Wirthin macht;
O, das kann sie gar zu nett!
Sie nimmt Alles wohl in Acht,
Trägt nicht hoch das feine Näschen,
Stößt nicht um die kleinen Gläschen,
Theilt den Kuchen ein so klug,
Daß er reicht mehr, als genug.
Flinker als ein Wassernixchen
Präsentirt sie, macht ein Knixchen:
"Bitte, bitte!" rings herum.
Und kein Bischen kömmt je um,
Alles, was da übrig blieb,
Giebt den Armen sie aus Lieb',
Oder streut's den Vögelein--
Kann man allerliebster seyn!--
Mit der milden, treuen Hand."

Gackeleia:
"O wie artig! wie scharmant
Invitir ich sie zur Noth
Gleich auf Thee und Butterbrod."

Der Alte:
"Guck', hier bei'm fünfzehnten Glöckchen
Hängt ihr spiegelnd Panzer-Röckchen,
Helm und Speer und Schwert und Schild
Herrlich in der Sonne blitzt,
Wenn sie für Minerva gilt
Und das Eulchen bei ihr sitzt.
Ich verstehe nichts davon,
Doch ein hoher Kunstpatron,
Der mir schuldet, leider, leider!
Zahlte mich durch diese Kleider;
Er ist Extheaterschneider
Von Person und Condition,
Giebt auch Kindern Lektion
In der Mytholologie
Und Demagogokolie.
Er sprach: "Industrierende,
Krieger und Studierende
Rufen dir bei vollem Haus
Ihre Göttin gern heraus."
Wie er sprach, so ist's gescheh'n,
Jeder will Minervchen sehn.
Keiner weiß doch, was im Schild
Führt das kleine Götterbild;
Durch das Gitter aus dem Helm
Lauscht sie wie ein schlauer Schelm.
Hält sie's mit der Wissenschaft,
Gleich um ihres Speeres Schaft
Rosen, Myrthen und Gedanken
Sich in buntem Wechsel ranken.
Tritt sie krieg'risch in die Schranken,
Eifersüchtig gleich ihr Schwert
Jedes Listgeweb zerstört,
Das der Mückchen heiter'm Leben
Gift'ge Spinnen lauernd weben.
Rächend, daß Arachne's Hand
Sie einst webend überwand.
Ich verstehe nichts davon,
Sag' nur her die Lektion
Von dem hohen Kunstpatron,
Der wohl selbst sie nicht verstand."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Kann die Spinnen nicht bedauern,
Die so auf die Mückchen lauern."

Der Alte:
"Guck', hier bei dem letzten Glöckchen
Hängt ein lust'ges, rothes Röckchen,
Fallhut, Rassel, rothe Schuh'
Und ein Püppchen auch dazu,
An Figur und Art und Sitten,
Wie ihr aus dem Aug geschnitten.
Wenn sie spielt die Kinderrolle,
Hüpft dies Püppchen hinter drein,
Und sie neckt es: Molle, Molle!
Weil es nicht wie sie so fein.
Kind und Püppchen wetten dann,
Wer von ihnen beiden kann
Süßer: "bitte, bitte" sagen,
Daß Mama nichts ab kann schlagen.
Und dann spielt das Kind Verstecken,
Mit dem Püppchen sich zu necken,
Thut sich mit dem Schurz bedecken,
Ruft: "Wu Wu", es zu erschrecken.
Hierauf streut das noch verhüllte
Kind, den Vöglein die Brosamen,
Womit es die Säckchen füllte,
Und sie rathen seinen Namen:
Klandestinchen? Schirosellchen?
Penseröschen? Hirondellchen?
Kaschettinchen? Allerleja?
Und das Kind spricht: "Eja! Eja!
Gukuk! gukuk--nit da, nit da!"
Läßt sie fressen aus der Hand."

Gackeleia:
"O wie artig, wie scharmant!
Aber ich ruf', um zu necken,
Girri, girri beim Verstecken."

Nun drehte der wunderliche Alte seinen Schellenschirm wieder klingend
im Kreis und machte ihn dann plötzlich vor den Augen Gackeleia's zu,
der das Herz flog vor Begierde nach der Puppe und all den schönen
Kleinigkeiten.--"Ach die Puppe, die Puppe, ach die schönen Kleider",
sagte sie einmal über das andremal, "ach dürfte ich sie nur ein
bischen haben, nur ein klein bischen! bitte, bitte, bitte!"

"Halten Sie ein Comteßchen," sagte der Alte: "halten Sie ein, es wird
mir so rührend, mein Herz läuft mir aus; ich kann das Lamentiren
nicht hören von einem so artigen Frauenzimmerchen; wollen Sie mir
eine kleine Freundschaft erweisen, nur ein bischen, ein bischen, so
sollen sie die Puppe und die schönen Kleidchen haben für immer, für
immer! bitte, bitte, bitte!"

"Die Puppe haben?" sagte Gackeleia mit großem Schmerz und rang die
Händchen, "ach edler Mann! Gackeleia darf keine Puppe haben, nie,
nie! Gackeleia hat Schurrimurri zu Gallina geführt, Gallina ward
erwürgt, und Gackeleia ward verurtheilt: nie, nie eine Puppe haben zu
dürfen--ach und ich hätte diese so gern! ach nur ein bischen, ein
bischen, bitte, bitte!"

Während Gackeleia so wehklagte, machte der Alte seinen Schirm bald
halb auf, bald wieder zu, so daß alle die schönen Kleidchen immer vor
den Augen des Kindes herumflatterten, und sagte dann: "ein grausames
Urtheil, ein hartes Wort, da müßte sich ein Stein erbarmen, wider die
Natur, wider die Menschheit, wider alle Sinnlichkeit für religiöse
Gefühle! ein Kind, ein so schönes, liebes Comteßchen soll keine Puppe
haben?--hat doch jed Hündchen sein Knöchelchen, hat doch jed Kätzchen
sein Mäuschen, womit es spielt!"--"Schweig still, schweig still",
sagte Gackeleia, "sag nichts von den Kätzchen, ach die Kätzchen sind
eben daran Schuld, daß ich keine Puppe haben darf!--aber es geht
nicht, es geht nicht, ich hätte diese doch gar zu gern, ach nur ein
Bischen, bitte, bitte!" Da fieng Gackeleia an zu weinen, und der
gefühlvolle Alte, der unter einem rauhen Aeußern ein zartes
kindliches Herz im Busen zu tragen hatte, weinte, oder ich müßte mich
sehr irren, mit.

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